Gartenstadt Nord

Ein (fast) vergessenes Kölner Veedel

KStA-Serie Mein Veedel : 18.10.2011: Kalle Pohl / Longerich

KStA-Serie Mein Veedel : 18.10.2011: Kalle Pohl / Longerich


Kalle Pohl ist beruflich viel unterwegs, mehrere Abende pro Woche woanders. Landauf, landab löst der bekannte Comedian – Markenzeichen: funkelnde Augen, verschmitzt hintergründige Schmunzelfalten, eine Überdosis Schalk im Nacken – mit seinem aktuellen Soloprogramm „Du bist mir ja einer“ Lachsalven aus.

Kalle Pohl Gartenstadt Nord Maria Herrig

Zwar gönnt er sich regelmäßig Auszeiten in Spanien, doch Pohls ruhender Pol in seinem höchst mobilen Leben ist und bleibt seit gut sieben Jahren Longerich, das die Eingeborenen „Lunke“ nennen, genauer: die Gartenstadt Nord. Noch genauer: das Viertel zwischen KVB-Straßenbahnlinie 15, S-Bahndamm und Neusser Landstraße. „Eine unglaublich angenehme Gegend, die von vielen Kölnern unterschätzt wird“, sagt Pohl. „Hier genieße ich Landleben in der Stadt. Schon die Straßen! Die sind so herrlich geschickt angelegt, dass hier einfach niemand rasen kann.“ Noch nicht mal einen Kreisverkehr braucht es hier. Freie Bahn also für Tretroller, Rollschuhe und Fahrräder, ohne Auto-Durchgangsverkehr im engen System der Anliegerstraßen. Reichlich Gärten und Grünflächen.
Ideen für eigene Texte findet er vorzugsweise auf Schienen von und nach Longerich: „Ich fahre sehr gern Straßenbahn. Die Fahrgäste und ihre Gespräche stecken voller Themen.“ Die Tücken des Alltags sind Kalle Pohls unerschöpfliches Revier. Verkehrstechnisch optimal angebunden ist Lunke auch sonst: Zur Autobahn A1 ist es nur ein Katzensprung, die Flughäfen Köln und Düsseldorf sind fast gleich gut zu erreichen. Mehr noch als diesen Standortvorteil schätzt der auf der Bühne so quirlige Comedian den Erholungswert im ruhigen, überwiegend entspannten Miteinander der Gartenstädter – „na ja, mit kleinen Ausnahmen, sonst wär’s ja langweilig“.

Kalle Pohl Gartenstadt Nord Maria Herrig

Treffpunkt und Nachrichtenbörse für Geschichten aus dem Veedel ist der kleine Zeitungs-, Schreib- und Gemischtwarenladen, über dem aus purer Nostalgie noch die irreführende Schrift aus den 1950-er Jahren „Zigarren Habrich“ prangt. „Das erinnert mich an meine Kindheit auf dem Dorf“, sagt Pohl. Inklusive persönlicher Tipps vom örtlichen Apotheker zwei Straßen weiter: „Der rät auch schon mal von einem Medikament ab, das man eigentlich kaufen will. Das ist mir in der City noch nie passiert.“ Besser als auf dem Dorf ist freilich die Infrastruktur. Hier kann man alles, was man zum Leben braucht, in fußläufiger Entfernung kaufen, inklusive Wochenmarkt mittwochs und samstags.

Kalle Pohl Gartenstadt Nord Maria Herrig

In seiner neuen Heimat besucht er gern Adolph’s Gasthaus mit gehoben „regionaler und cross-over Küche“, wo er auch schon mit einer Lesung auftrat, und den Klosterhof mit seiner türkisch-deutschen Küche, beides Familienbetriebe.
Als Kalle Pohl, seine Frau und ihre gemeinsame, damals achtjährige Tochter ein neues Domizil suchten, war ihnen beim Haus in der Gartenstadt auf Anhieb klar: „Das ist es. Und wir haben es nicht bereut.“ Wirklich nicht, nie? Na ja, im Sommer sei das Klima „manchmal etwas nervig“ und die bisweilen drückende Luft „schon auch ein Grund für Spanien“. Doch dann lenkt er gleich ein: „Was ich auf gar keinen Fall mehr vermissen will, ist unser Vorortzug im Karneval. Hier wird noch alles handgemacht und selbst gebaut, und dann die echte Stimmung, einfach toll!“ Am Lunker Zochweg fühlt sich Kalle Pohl ganz in seinem Element, wie auf einer mittelgroßen Bühne mit direktem Nahkontakt zum Publikum, nur eben ausnahmsweise auf der Zuschauerseite. Wenn der Funke überspringt, reagiert der Künstler auf beiden Seiten gern spontan mit Überraschungsfaktor: „Das schafft kein Fernsehen, das ist schwer zu toppen.“

Kalle Pohl Gartenstadt Nord Maria Herrig


In Auszügen entnommen aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 18.10. 2011
Fotos: Max Grönert
Text: Uwe Spoerl

In Gummistiefeln zum Bäcker

Anlässlich der Nachbesprechung und geselligem Erfahrungsaustausch zum Buch am 11.10.2011 schrieb Bernd Schöneck vom Kölner Stadt-Anzeiger folgenden Artikel:

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Bericht vom Erfahrungsaustausch

„Unsere lebendige Gartenstadt Nord“ ist so lebendig geworden, daß mit ganz viel Interesse viele Buchanfragen aus allen Teilen Deutschlands kamen.
Bücher gingen auch ins Ausland bis nach Kanada.

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Über die herzlichen Resonanzen berichtete Maria Herrig bei diesem „Gesprächsaustausch am 11.10. zur Freude der Gäste.
Sie bestellte Grüße von Christoph Vormweg und von ihm die Mitteilung, dass die im Stadtarchiv versunkenen Schriftstücke seines Vaters,
unseres Literatur-Kritikers, der auch über unsere Gartenstadt Nord geschrieben hat, nur leicht beschädigt gefunden wurden.
 
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Keiner hatte im Voraus daran gedacht, dass zur gleichen Zeit das Fußballspiel
„Deutschland gegen Belgien“ lief.      ( 3:1)
So war die Gästeschar überschaubar.
 
Angelika Schumacher erzählte von den lebhaften Unterhaltungen in ihrer Buchhandlung „Eselsohr“.
Anschließend kamen viele Fragen. Viele erzählten von ihren Erlebnissen.
Manche Straßenerinnerungen kamen. Bist du nicht „der und der“? An deiner Stimme habe ich dich erkannt. Du wohnst jetzt in Stolberg bei Aachen?
Ein Arzt-Ehepaar schilderte seine ungewöhnlichen Anfänge hier im Kölner Norden und in der Gartenstadt Nord.
Es kam die Frage nach dem Erscheinen eines Ergänzungsbuchs auf?
Kritik war, dass die „alte Gartenstadt Nord“ nicht genügend erwähnt wurde.
Maria Herrig antwortete, dass sie das Buch aus vollstem Herzen geschrieben hätte und in der Presse um Zeitzeugen gebeten hätte.
Doch auf Seite 10 im Buch steht:
„Wer mehr weiß... soll ein Ergänzungsbuch schreiben“.  
Sehr schöne telefonische und briefliche Berichte aus der „alten Gartenstadt Nord“ wurden vorher von Maria Herrig zitiert.

Der Bürgermeister, Hans-Werner Bartsch, bedauerte am nächsten Tag, dass er es am Abend vorher nicht geschafft hätte:
„Gerne bin ich aber bereit, bei einem der nächsten Termine mein Kommen nachzuholen, da mir persönlich sehr viel an dem Stadtteil liegt,
an dem ich sehr viele schöne Erinnerungen habe“.
Maria Herrig hat ihn auf nächstes Jahr vertröstet.

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500 Bücher sind verkauft! 1000 Euro Spende für das Hospiz!

Es hat mich sehr glücklich gemacht, dem Hospiz diese Spende zu überreichen.

Vielen Dank, liebe Käufer! Sie haben dazu beigetragen.

Der Wochenspiegel schreibt am 31. August

Spende Hospiz maria herrig unsere lebendige gartenstadt nord buch


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Katholischer Pfarrbrief

Dieser Artikel steht im:

Katholischer Pfarrbrief Christ König/ St. Bernhard/ St. Dionysius Gartenstadt Nord / Longerich für Sept./Okt./ November 2011

Gartenstadt „Wir sind wer“


Am 21.Juni fand sie statt, die Buchvorstellung mit der Lesung von einzelnen Autoren. Im bis zum letzten Platz gefüllten Pfarrsaal Christ König stellte Maria Herrig ihr Buch: „Unsere lebendige Gartenstadt Nord“ vor. Ich besaß das Buch schon vor der Vorstellung und war begeistert. Ich lebe so lange wie ich denken kann in der Gartenstadt Nord. Leider ist dieser Name im allgemeinen Gebrauch immer mehr unüblich. Hinweisschilder auf der Straße sind verschwunden. Man lebt in Longerich. Die Bewohner in Alt-Longerich haben noch ihre dörfliche Identität. Die Bewohner in der Katholikentag-Siedlung ihren eigenen Stolz.
Aber was ist mit uns?
Ich bin auf der anderen Seite der „Betonstraße“ aufgewachsen. Hier gibt mir das Buch von Frau Herrig nun Wurzeln, für die ich sehr dankbar bin.
Der Abend im Pfarrsaal war phantastisch. Frau Herrig berichtete mit viel Humor und Einfühlungsvermögen über die Entstehung dieses Werkes. Einzelne Mitautoren kamen zu Wort. Emotionale Hintergründe wurden aufgezeichnet. Ich war zeitweise sehr angerührt. Sie hat es mit dem Abend und ihrem Buch geschafft, mir und auch anderen das Gefühl zu geben, wir in der Gartenstadt Nord: „Wir sind wer“. Womit ich auch eigene Worte von Frau Herrig zitiere.
Danke! Sie geben mir das Gefühl stolz darauf sein zu können, eine Gartenstadt Nordlerin zu sein.

Karma Pötschke

Abgeschrieben am 5.9.2011 von Maria Herrig

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